Mann mit grauen Haaren auf einer Rolltreppe, Er trägt eine schwarze Cap und ein weißes Shirt mit Security aufdruck.

Die Entwicklung des Sicherheitsgewerbes

Zum Auftakt der fünfundfünfzigsten und letzten Runde stellen wir die Frage: „Welche Veränderungen erwarten Sie in der Sicherheitsbranche in den nächsten zehn Jahren?“

Im Interview mit:


Eine kurze Einleitung:

Das Wach- und Sicherheitsgewerbe blickt in seiner organisierten Form in Deutschland inzwischen auf eine über 120-jährige Geschichte zurück. Je nachdem wen man fragt, bekommt man zur Antwort, dass sich die Branche in dieser Zeit kaum beziehungsweise sehr verändert hat. Zu welcher Seite Sie auch immer tendieren – was erwarten Sie in den nächsten zehn Jahren? Mit welchen Fort- und Rückschritten oder Stagnationen wird die Branche aufwarten? Bleibt es beispielsweise beim schlechten Image und der Unfähigkeit, wirksames Marketing zu betreiben? Wird sich der Fachkräftemangel verschärfen oder verbessern? Wird die Politik mit ihrer Gesetzgebung (Stichwort: Sicherheitsgewerbegesetz) die Lage verbessern oder verschlechtern? Bleibt es beim hohen Anteil von Dumpingpreisen? Ganz sicher gibt es weitere, hier nicht aufgeführte Themen, zu denen Sie etwas sagen möchten. Nur zu – werfen Sie in der letzten „Frage in die Runde“ einen analytischen Blick in die Zukunft

Dirk Dernbach

Geschäftsführer der SECURITAS Sport & Event GmbH & Co. KG
Wir haben uns immer angepasst und werden uns immer anpassen
Ich glaube schon, dass sich die Branche in den letzten 120 Jahren stark verändert hat. Zum Beispiel sind kaum noch Revierstreifen hoch zu Ross unterwegs, was aber nicht heißt, dass der Trend in Zukunft nicht wieder in diese Richtung gehen könnte – Stichwort: Klimaschutz. Aber generell sind wir keine Branche, die etwas Fundamentales erfindet, was die gesamte Dienstleistung „auf den Kopf stellt“. Jedoch haben wir uns immer angepasst und Ergänzungen zu unserer Dienstleistung integriert und angepasst. Alles basiert jedoch wie eh und je darauf, dass wir Menschen zum Einsatz bringen. Somit ist es auch schwer einzuschätzen, was sich in den kommenden Jahren verändern wird. Aber was es auch immer sein mag: Wir werden uns anpassen. Allerdings habe ich auch keine Idee, wie wir unser augenscheinlich schlechtes Image verbessern können, zumal ich manchmal den Eindruck habe, dass es ziemlich egal ist, was wir machen, sofern daraus eine negative Berichterstattung generiert werden kann. So werden bei einer Veranstaltung unerlaubte Gegenstände wie Pyrotechnik und Quarzhandschuhe sichergestellt und die Medien titulieren es als „unverhältnismäßige und übergriffige Kontrollen“. Wären die sichergestellten Gegenstände zur Anwendung gekommen, hätte es bestimmt geheißen, dass der Sicherheitsdienst seiner Aufgabe nicht gerecht geworden ist. Wenn wir uns nicht ab und zu selbst loben, macht es kein anderer. So scheint es eine Art Selbstverständlichkeit zu sein, wenn wir unsere Arbeit gut machen, andersherum aber jede Gelegenheit genutzt wird, unsere Branche in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Das wird sich auch nicht ändern, sollten wir mehr Fachkräfte haben. Ich hatte bereits in einer früheren „Frage in der Runde“ bemerkt, dass der Begriff Fachkräftemangel für unsere Branche fragwürdig erscheint, verstehe ich darunter doch Menschen, die eine fundierte mehrjährige Ausbildung in unserem Business erhalten haben. Ich würde es begrüßen, wenn wir behaupten könnten, dass unsere Mitarbeiter alle diese Voraussetzung mitbringen. Das ist aber Wunschdenken, da der Großteil unserer Sicherheitskräfte gerade mal die 40-stündige IHK-Unterrichtung absolviert haben. Also haben wir eher einen Mitarbeiter- als ein Fachkräftemangel, zumal viele Kunden leider nicht bereit sein würden, diese Qualifikation zu bezahlen. Womit wir bei den Dumpingpreisen sind. Seit ich in der privaten Sicherheitsbranche tätig bin, ist das ein Thema. Aber irgendwie ist es wie mit allen Produkten: Wenn ich ein Produkt haben möchte, von dem ich qualitativ überzeugt bin und an den Nutzen glaube, bin ich auch bereit, zu investieren. Anders, in einer Methapher ausgedrückt: Wenn ich Motorradfahrer bin und mich schützen will, achte ich beim Kauf eines Helmes auf dessen Qualität, ob er alle Normen erfüllt und wie er in Tests abgeschnitten hat. Dieser Helm wird mich ein paar hundert Euro kosten. Kaufe ich einen Helm aber nur, weil der Gesetzgeber oder der Versicherer das Tragen eines Schutzhelms vorschreibt, nehme ich vermutlich das Billigprodukt von woher auch immer. Es liegt also primär am Kunden, für welche Variante er sich entscheidet. Der Unterschied zeigt sich dabei vermutlich erst bei einem Sturz. Da kann die Einsicht oftmals zu spät kommen. Ob die Politik uns mit dem Sicherheitsgewerbegesetz einen Gefallen tut, wird die Zukunft zeigen. Grundsätzlich bin ich kein Freund von immer mehr Gesetzen und Vorschriften (und das hat sich mit der Einführung des Bewacherregisters nicht geändert), deren Einhaltung auch irgendwie überwacht werden muss. Sonst ist es so unnütze wie das Überholverbot von Lkws.

Dirk Faßbender

Prokurist und Leiter der KÖTTER Akademie GmbH & Co. KG
Ohne technisch-digitale Unterstützung wird das Sicherheitsgewerbe nicht mehr denkbar sein
Eine politische Diskussion über Qualität, öffentliche Zertifizierung und bessere Überwachung der privaten Sicherheits-Dienstleister ist nicht erst durch den Referentenentwurf zum Sicherheitsgewerbebesetz der aktuellen Ampelkoalition entbrannt. Bereits die Vorgängerregierung hatte sich lange mit den vorliegenden Vorschlägen der Sicherheitsverbände (BDSW, BVMS, ASW) für ein Sicherheitsdienstleistungsgesetz befasst und diese konkret auch in den Koalitionsvertrag geschrieben. Der aktuelle Referentenentwurf zum geplanten Sicherheitsgewerbebesetz der Ampelkoalition bleibt aber weit hinter den Forderungen und Erwartungen sämtlicher Experten- und Interessensgruppen zurück. Hier wurde alter Wein in neue Schläuche gefüllt, heißt: Inhalte aus dem § 34a der Gewerbeordnung und der Bewachungsverordnung werden in ein neues Gesetz überführt. Dort werden teilweise alte Qualifikationen aufgeführt (beispielsweise Werkschutzfachkraft) und auch die Vorgaben, wann eine Sachkundeprüfung erforderlich sein wird, sind äußerst verwirrend dargestellt. Mit dem vorliegenden Referentenentwurf wird die Qualität privater Sicherheitsleistungen eher nicht besser werden, da zu wenig auf die spezifischen Tätigkeiten der privaten Akteure in der Sicherheit eingegangen wird und auch die so genannte „Inhouse-Security“ nur mit Optionen bedacht wird, die aber nicht verpflichtend sind. Der Gesetzgeber bleibt in seinen Bestrebungen weit hinter den Möglichkeiten zurück, auch in Bezug auf das DACH-KRITIS-Gesetz, was die private Sicherheitsunternehmen ebenfalls komplett unbeachtet lässt. Das Thema Image und Marketing bleibt auf der Agenda: Auch hier hat es der Gesetzgeber verpasst, die Wahrnehmung der Sicherheitsunternehmen und ihren Mitarbeitenden durch klare und verbindliche Qualitätskriterien aus dem Schattendasein zu holen, um so die öffentliche Wahrnehmung positiv zu beeinflussen. Also liegt es mal wieder bei den Verbänden und Unternehmen selbst, sich in der öffentlichen Wahrnehmung in Richtung qualifizierte und wichtige Leistung der allgemeinen Sicherheit zu positionieren. Doch sind die Marketingabteilungen der Unternehmen oftmals auf das reine B2B-Marketing ausgerichtet und weniger auf allgemeine Imagepflege eines ganzen Wirtschaftszweiges. In der öffentlichen Wahrnehmung von Sicherheitsunternehmen spielt der Qualitätsgedanke für die Bürger keine große oder gar keine Rolle, denn immer noch gibt es mehr negative als positive Berichterstattung. Auch die Zielgruppe der fehlenden Mitarbeitenden werden durch Hochglanzbroschüren, animierten Websites oder Imageanzeigen im seltensten Fall angesprochen, denn diese benötigen visuell ansprechende und kurzweilige Kampagnen, mit knappen Texten und relevanten Informationen, damit überhaupt Interesse geweckt wird. Nicht umsonst schießen Personalvermittlungsagenturen wie Pilze aus dem Boden und erzielen dabei auch noch passable Resultate. Auch das Thema Fachkräftemangel wird uns weiterhin begleiten. Hier muss man zwischen einem regionalen Fachkräftemangel und dem allgemeinen Arbeitskräftemangel in der Sicherheitswirtschaft unterscheiden. Haben wir beispielsweise in Nordrhein-Westfalen einen hohen Anteil an Fachkräften (ab GSSK aufwärts), so sieht das in anderen Regionen schon deutlich anders aus. Die Weiterbildung von eigenem Personal kostet viel Geld, was durch die geringen Margen in der Sicherheits-Dienstleistung kaum noch zu erwirtschaften ist. Die Bundesagentur für Arbeit hält wegen der erst jüngst möglich gewordenen Umschichtung aus den Vermittlungs- und Qualifizierungsbudgets Gelder zurück, um die behördeninternen Kosten finanzieren zu können. Was wiederum zu Engpässen bei der Förderung von arbeitslosen Personen führt, die in der privaten Sicherheit sehr gute berufliche Möglichkeiten haben. Grundsätzlich lassen sich qualifizierungswillige und -fähige Personen immer schwieriger finden, so dass sich der allgemeine Arbeitskräftemangel in der Sicherheitswirtschaft weiter verstärken wird. Dazu kommen noch die langen, teils Monate dauernden Überprüfungen von Sicherheitspersonal durch das behördliche Bewachungsregister und die mit der Überprüfung beauftragten Behörden. Räumlich flexible Fachkräfte in der privaten Sicherheit dagegen finden immer eine entsprechend entlohnte Arbeitsstelle und sei es in einem anderen Bundesland. Wo das Sicherheitsgewerbe in zehn Jahren stehen mag? Bereits heute gehören Luft- und Landdrohnen, KI-gesteuerte Personal- und Geschäftsprozesse, automatisierte Fernzugriffe und -wartungen oder kundenorientierte Cloud-Lösungen zum Alltag der Sicherheitswirtschaft. Dies wird künftig deutlich zunehmen und so den Sicherheitsdienstleistungsmarkt nachhaltig beeinflussen, so dass es personalintensive Dienstleistungen ohne technisch/digitale Unterstützung mittelfristig wohl kaum noch geben wird. Bleibt mir zum Abschluss nur dies: Leider stellt der „Marktplatz Sicherheit“ sein digitales Angebot ein, wozu auch die „Frage in die Runde“ gehört. Ich persönlich werde dieses Format sehr vermissen, hat es mir doch unendlich viel Freude bereitet, mich mit Beträgen daran zu beteiligen und auch die Meinungen der Fachkolleginnen und -kollegen zu den jeweiligen Themen zu lesen.

Peter Haller

Geschäftsführender Gesellschafter der All Service Sicherheitsdienste GmbH
Mit sieben Schritten in die Zukunft
Die Zukunft der Sicherheits-Dienstleistungen in den nächsten zehn Jahren könnte durch verschiedene technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Zukunftsprognosen mit Unsicherheiten verbunden sind und verschiedene Szenarien möglich sind. Hier einige mögliche Trends, die die Zukunft der Branche beeinflussen könnten: - Technologische Weiterentwicklung: Technologische Fortschritte, insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Drohnentechnologie, Sensorik und IoT (Internet of Things), könnten zu automatisierten Sicherheitslösungen führen. Roboter und autonome Fahrzeuge könnten verstärkt in der Sicherheitsüberwachung und -patrouillierung eingesetzt werden. - Künstliche Intelligenz und Analytik: KI-basierte Algorithmen können für die Analyse großer Datenmengen genutzt werden, um Muster zu erkennen und Sicherheitsrisiken frühzeitig zu identifizieren. Predictive Policing, also die Vorhersage von kriminellen Aktivitäten, könnte durch fortschrittliche Analysen verbessert werden. - Cybersecurity und digitale Sicherheit: Mit der zunehmenden Digitalisierung könnte die Nachfrage nach Cybersecurity-Diensten stark steigen. Unternehmen und Regierungen benötigen verstärkt Unterstützung bei der Abwehr von Cyberbedrohungen und dem Schutz ihrer digitalen Infrastruktur. - Verstärkte Individualisierung und Privatsphäre: Personen legen möglicherweise mehr Wert auf individualisierte Sicherheitslösungen, um ihre Privatsphäre zu schützen. Maßgeschneiderte Sicherheits-Dienstleistungen, die den spezifischen Bedürfnissen und Wünschen der Kunden entsprechen, könnten an Bedeutung gewinnen. - Gesellschaftlicher Wandel und Urbanisierung: Veränderungen in der Gesellschaft, wie eine alternde Bevölkerung und verstärkte Urbanisierung, könnten die Nachfrage nach Sicherheits-Dienstleistungen in bestimmten Bereichen, wie Seniorensicherheit und Stadtüberwachung, erhöhen. - Gesetzliche Rahmenbedingungen und Ethik: Gesetzliche Regelungen und ethische Überlegungen werden die Entwicklung von Sicherheitslösungen beeinflussen, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, Verwendung von KI und Automatisierung. - Nachhaltigkeit und Umweltaspekte: Umweltfreundliche und nachhaltige Sicherheitslösungen könnten an Bedeutung gewinnen, um den ökologischen Fußabdruck der Sicherheitsbranche zu reduzieren. Dies könnte den Einsatz erneuerbarer Energien, effizienter Ressourcennutzung und umweltfreundlicher Technologien umfassen. Es ist wahrscheinlich, dass die Zukunft der Sicherheits-Dienstleistungen eine Kombination aus diesen Trends und möglicherweise noch unbekannten Faktoren sein wird. Die Branche wird sich anpassen müssen, um die sich ändernden Bedürfnisse der Gesellschaft und die Möglichkeiten der Technologie optimal zu nutzen.

Marcus A. Karallus

Leiter des Akademiebetriebs der Power Akademie GmbH
Rundum-Wohlfühlpaket zum Tarifpreis?
Auf der Meta-Ebene wird sich im Sicherheitsgewerbe nicht viel ändern. Dienstleistung bleibt Dienstleistung – Dienste durch Menschen. Bis diese Dienste zu einer maschinell ausgeführten Verrichtung werden, zum Beispiel durch eine simple Schuhputzmaschine. Bisher gibt es Sicherheitstechnik, mit der sich Schadensereignisse besser wahrnehmen und dokumentieren lassen als durch menschliche Sinne oder „Werkzeuge“. Beispiele für solche Sicherheitstechnik sind Wärmebildkameras und Kohlendioxid-Melder oder Software zur Weitermeldung und Speicherung von Beobachtungen. Die Technologie wird sich durch fortschreitende Softwareentwicklung exponentiell vervielfachen. Schon heute überholt die Technik den Menschen auf vielen Gebieten, denn kein Mensch kann in der Dunkelheit weit sehen und Kohlendioxid riechen oder schmecken. Sicherheitsdienste werden immer mehr zu Service-, Empfangs- und Verwaltungsdiensten. Die Sicherheitskräfte sollen im Betrieb einen „Nutzen“ bringen und kein Kostenfaktor mehr sein. Seit Jahren ist der Trend festzustellen, dass von Service- und Empfangskräften nicht nur IT-Kenntnisse zur Erledigung ihrer Kerntätigkeit vorhanden sein müssen, sondern auch Buchungs- oder Abrechnungsvorgänge elektronisch bearbeitet werden müssen. Es werden mehr Spezialisierungen durch Qualifizierung bei der Belegschaft erforderlich sein, um große Aufträge „erpitchen“ zu können. Die Forderung nach der Fähigkeit von Mitarbeitenden, sich empathisch auf die Kundenzufriedenheit sowie Anforderungen einzustellen, hat jetzt schon bei vielen Auftraggebenden den Zenit erreicht. Der oder die Mitarbeitende soll im Prinzip das Rundum-Wohlfühlpaket zum Tarifpreis bieten und dabei sein Privatleben zurückstellen, um den Geschäftserfolg der Mittler nicht zu gefährden. Aber vielleicht ist diese Sicht auch zu kurz und größere Aufträge aus der Industrie werden wieder durch einen eigenen Werkschutz, zu einen angemessenen Entgelt, durchgeführt. Persönlich wünsche ich dem Bewachungsgewerbe nur das Beste, denn es wird von Menschen durchgeführt, die ebenso Wünsche, Träume und Bedürfnisse haben wie auch anderen Menschen aus anderen Gewerken. Ich wünsche mir ein besseres Miteinander und gegenseitige Unterstützung innerhalb der Branche, um bessere Bedingungen für Menschen zu schaffen, die bereit sind, ihr Leben in den Dienst des Gemeinwohls oder auch individuellen Erfolgs Einzelner zu stellen.

Michael Metz

Niederlassungsleiter Rhein-Main & Niederlassung Süd bei Apleona Security Services
Qualität zu liefern, bleibt die Herausforderung der Zukunft
Es ist unumstritten, dass sich das Sicherheitsgewerbe in den letzten 120 Jahren drastisch verändert und weiterentwickelt hat. Aus dem so genannten Nachtwächter ist ein Sicherheitsmitarbeiter geworden, der mit unterschiedlichen Qualifikationen unterschiedliche Tätigkeiten ausübt. Wir haben eine Qualifizierungspyramide entwickelt, die etabliert ist und den typischen Quereinsteiger längst verdrängt hat. Die Anforderungen der Kunden haben sich komplett gewandelt und dementsprechend das Leistungsportfolio der Anbieter und damit der Branche. Nicht ohne Grund hat die Innenministerkonferenz erklärt, dass die private Sicherheit zur Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland gehört. Sowohl das Image und der Stellenwert der Sicherheits-Dienstleistung haben sich bis zur Zuständigkeit des Innenministeriums für unser Gewerbe verbunden mit der vorherigen Einführung eines Bewacherregisters dahin ausgerichtet, wofür wir lange gekämpft haben. Damit verbunden leistet die Branche eine sehr gute und flächendeckende Tarifpolitik, die nicht nur über Mindestlohnniveau liegt, sondern Haustarifverträge gänzlich verdrängt hat. Die Einführung eines Sicherheitsgewerbegesetzes wird in Verbindung mit den Voraussetzungen zur Erbringungen der Sicherheits-Dienstleistung in Kritischen Infrastrukturen erneut die Messlatte anheben. Zertifizierungen und Qualifizierungen prägen bereits heute die Vergaben und werden mit Etablierung des Bestbieterprinzips die Branche weiter nach vorne bringen. Diese Errungenschaften, von denen alle Marktteilnehmer profitieren, können nicht dazu führen, dass wir denken, wir hätten unser Ziel erreicht. Unsere Anstrengungen, das Image und die Rahmenbedingungen zu verbessern, müssen weitergehen. Das zeigt die Problematik am Arbeitsmarkt und der Bedarf an gewerblichen Beschäftigten mit entsprechenden Voraussetzungen und Qualifikationen. Steigende Anforderungen sind Chancen und Risiken gleichermaßen. Wir werden unsere Berufsbilder überdenken müssen und auch Rahmenbedingungen neu gestalten müssen. Digitalisierung, Transparenz, Einsatz von Technologien und KI sind nur einige Aspekte, die wir zu beachten haben. Es ist Wunschdenken, dass der Preis keine Rolle mehr spielen wird. Es gibt keine Vergaben, die nicht auch den Preis als Kriterium zu berücksichtigen haben. Das nennen wir Wettbewerb – und Dumping gab es schon immer und wird es auch in Zukunft nicht nur in unserer Branche geben. Aber betrachten wir die aktuelle Lünendonk-Studie, dann sehen wir die 25 Top-Sicherheits-Dienstleister in Deutschland mit dem dazugehörigen Umsatz, der durchaus repräsentativ ist. Wir sind längst im Qualitätsmarkt angekommen, doch Qualität auch zu liefern, scheint eine der großen Herausforderungen für die Zukunft zu sein.

Sebastian Otten

Sicherheitskoordinator bei der OBJEKTCONTROL Sicherheitsdienste Vogt GmbH
Wir stehen vor einem Zeitalter der Spezialisierung
Mein klarer Standpunkt: Die Ära des klassischen Wach- und Schließdienstes geht zu Ende. Wir stehen vor einem Zeitalter der Spezialisierung. Denn die Welt und insbesondere die Sicherheitsbranche befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Doch welche Schritte sind notwendig, um mit den steigenden Anforderungen an Qualität und Technologie Schritt zu halten? Die Antwort liegt in der Qualifikation und der damit verbundenen Entlohnung. Ich schlage vor, die niedrigen Qualifikationsniveaus abzuschaffen und die Entlohnung an die tatsächliche Tätigkeit und die Qualifikation zu koppeln. Dies sollte von einer Übergangsphase begleitet werden, die den Menschen genügend Zeit – etwa fünf bis zehn Jahre – gibt, sich auf diese tiefgreifenden Veränderungen einzustellen. Dieser Wandel ist unausweichlich und erfordert den Beitrag aller Akteure des Sektors. Die Aus- und Weiterbildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir sollten hier neue Bausteine einführen, zum Beispiel Drohnenführerscheine (den so genannten EU-Kompetenznachweis). Unsere Ausbildungsprogramme müssen sich grundlegend ändern, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden. Neben den traditionellen Fähigkeiten müssen Sicherheitsexperten auch Kenntnisse in Fachthemen wie Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und technische Integration erwerben. Erweiterte Kenntnisse in Elektrotechnik sollten ebenfalls integraler Bestandteil der Ausbildung sein. So können unsere Fachkräfte nicht nur die Planung, sondern auch die Installation und Inbetriebnahme von Video- und Gefahrenmeldetechnik beherrschen. Die Zeit ist reif für ganzheitliche Sicherheitskonzepte und eine grundlegende Neuausrichtung des Sicherheitsmanagements. Oder glauben Sie, dass die Sicherheitsbranche ohne Innovation und Spezialisierung überlebensfähig ist? Ich lade Sie herzlich ein, sich an einer solchen Diskussion aktiv zu beteiligen. Aber lassen Sie mich noch eine wichtige Anmerkung machen: Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern Arbeitsplätze, die bisher durch Überstunden und Mehrarbeit kompensiert wurden, abzubauen und neue, bessere Arbeitsplätze zu schaffen, die auch einer älter werdenden Gesellschaft gerecht werden. Es ist an der Zeit, eine sichere und erfolgreiche Zukunft für die Sicherheitsbranche zu gestalten.

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